Auf einem guten Weg, aber noch viel zu tun: Koblenz, die junge, wachsende Schwarmstadt

Städte, die als Wohn- und Arbeitsort eine hohe Versorgungs- und Lebensqualität bieten, ziehen vor allem junge Leute an – als „Schwarmstädte“. Eine Studie von Haus & Grund Koblenz und der örtlichen Industrie- und Handelskammer zeigt, dass auch Koblenz eine hohe Anziehungskraft besitzt.

Foto: Holger Weinandt / wikimedia commons (CC BY-SA 3.0)

Koblenz ist eher eine kleine Großstadt. Dennoch schaffte sie es im bundesweiten Vergleich der jungen so genannten Schwarmstädte auf einen beachtlichen Platz 24, gleichauf etwa mit Trier oder Bonn. Im Auftrag von Haus & Grund Koblenz und der IHK nahm die renommierte Empirica AG die Stadt und ihre Perspektiven unter die Lupe. Das nun von Empirica-Vorstand Prof. Dr. Harald Simons vorgestellte Ergebnis kann sich sehen lassen: Koblenz besitzt eine hohe Anziehungskraft.

Nachholbedarf unter anderem beim Wohnraum

Stichwort

Was ist eine „Schwarmstadt“?

„Schwarmstädte“ gelten als Städte mit großer Anziehungskraft. Was bedeutet die Bezeichnung „Schwarmstadt“? Dass die jüngere Bevölkerung wie Vögel aus den Regionen aufsteigt und als Schwarm in eine Stadt einfällt, während sich weniger beliebte Städte und Landkreise zunehmend entleeren. Die Bedeutung der Attraktivität des Wohnstandortes hat zugenommen: Nicht nur der Arbeitsplatz ist Fixpunkt, sondern auch die Attraktivität der Stadt als Wohnort mit hoher Lebensqualität.

„Das positive Ergebnis ist sehr erfreulich“, so der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Bertram Weirich. Der Wirtschaftsstandort Koblenz brauche zur Sicherung des Fachkräftebedarfs Bevölkerungszuwachs und Wachstum. Der Haus & Grund Ortsvereinsvorsitzende Christoph Schöll betonte: „Koblenz ist bereits auf einem sehr guten Weg, in einigen Bereichen gibt es aber noch viel zu tun, etwa was die Wohnraumversorgung angeht.“

Koblenz ist mit 113.000 Einwohnern eher eine der kleineren Schwarmstädte, jedoch wird der Regiopolregion Koblenz-Mittelrhein mit rund 300.000 Einwohnern der Status einer größeren Großstadt beigemessen. Aus dem In- und Umland sowie dem Ausland nahm seit 2011 die Zuwanderung nach Koblenz deutlich zu, wobei Flüchtlinge nur einen geringen Anteil ausmachen.

Eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Stadt spielt laut der Untersuchung die Entwicklung als Hochschulstandort. Koblenz hat durch den Ausbau der Hochschulen in den letzten Jahren weitere Studierende gewonnen. Wesentlich sei es, Studierende nach dem Studium auch am Standort zu halten sowie Berufsanfänger nach Koblenz zu locken.

Entscheidend für den Verbleib oder Zuzug junger Menschen sind vielfältige Kulturangebote oder Szenekneipen, aber auch das Erscheinungsbild der Stadt. „Diese weichen Faktoren sind vermutlich sogar entscheidender für die Anziehungskraft der Schwarmstadt Koblenz“, sagte Prof. Simons. Zwischen 2002 und 2014 zogen in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen Jahr für Jahr mehr Bewohner nach Koblenz.

Nachholbedarf sehen die Verfasser der Studie wie Schöll beim Thema Wohnen. Prof. Simons: „Zentrale Lagen sind rar und beschränken sich nur auf die dicht bebauten Gebiete der Altstadt und der südlichen Vorstadt.“ Christoph Schöll, Vorsitzender von Haus & Grund Koblenz und zugleich auch Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht sowie Miet- und Wohnungseigentumsrecht, appellierte an die städtische Politik und Verwaltung. Sie sollen vor allem in der Genehmigungspraxis offensiver werden und mehr Bauland ausweisen: „Das sind seit 2005 desaströse Zahlen, was den Neubau betrifft“, kritisierte er.

Aus den Untersuchungsergebnissen leitete das Empirica Institut einige Handlungsempfehlungen ab. Prof. Simons: „Zunächst geht es darum, die Aktivitäten fortzuführen, die dazu beigetragen haben, Koblenz als Schwarmstadt zu positionieren.“ Dazu gehöre unter anderem die Weiterentwicklung des Hochschulstandortes, etwa durch eine weitere inhaltliche Profilierung.

Die Unternehmen sollen für den Standort werben

Zudem empfehlen die Berater, sich dem Außenimage der Stadt zu widmen. So sollten auch die hier angesiedelten Unternehmen für den Standort Koblenz werben. Zum Beispiel könnten auf bundesweiten Berufsmessen potenzielle Bewerber nicht nur vom Arbeitsort Koblenz, sondern auch vom Wohnort Koblenz überzeugt werden.

Da sich Schwarmstädte durch ein hohes Maß an Lebendigkeit und Vielfältigkeit auszeichnen, gelte es, die ohnehin vorhandene Tendenz eines stärkeren Straßenlebens zu unterstützen und Events im öffentlichen Raum einfacher zuzulassen. „Auch die direkte Förderung von besonders imageprägenden Events ist möglich. Hier ist zu prüfen, welche Events für Koblenz Sinn machen“, so Prof. Simons.

Analog zur Bundesgartenschau 2011 sei ein weiterer Beschleuniger notwendig. Alle wichtigen Akteure hätten sich konzentriert und der gemeinsamen Aufgabe gewidmet. Im Sinne der Koblenzer Stadtentwicklung sollte dieser, noch in der Stadt vorhandene, hohe Aktivitätslevel fortgeführt und für die Strategie einer „zweiten Buga“ genutzt werden.
Die Verfasser der Studie betonen, der Status als Schwarmstadt müsse nicht nur gehalten, sondern auch ausgebaut werden. Bei der Entwicklung wollen IHK und Haus & Grund die Stadt unterstützen. Gemeinsame Aufgabe aller Akteure müsse die inhaltliche und städtebauliche Verbesserung der Stadt sein.

hug

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