„Der Staat ist der Kostentreiber“

RA Christoph Schöll

(Interview mit Christoph Schöll, Vorsitzender von Haus &Grund Koblenz, aus der Beilage zur Immobilienmesse in der Rhein-Zeitung vom 20.10.2016)

„Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation auf dem Immobilienmarkt in Koblenz?“

„Der Immobilienmarkt in Koblenz ist weiterhin sehr stabil. Koblenz ist ein attraktiver Wohnstandort mit steigender Beliebtheit. Im Vergleich zu den Metropolregionen ist das Wohnen noch vergleichsweise günstig. Die steigende Einwohnerzahl führt jedoch aufgrund der starken Nachfrage zu steigenden Mieten und Kaufpreisen.“

 

„Die Bautätigkeit hat sich auch in Koblenz verstärkt. Führt dies zu einer Entlastung auf dem Wohnungsmarkt?“

„Nur bedingt. In Koblenz werden vorwiegend Wohnungen in hochpreisigen Wohnungseigentumsanlagen erstellt. Wer Preise von 3.000-5.000 Euro pro Quadratmeter zahlt, nutzt meist selbst oder vermietet diese hochwertigen Objekte nicht für 5 oder 6 Euro.“

 

„Wie sieht es im klassischen Mietwohnungsbau aus?“

„Hier sind Defizite zu beklagen.“

 

„Wo liegen die Gründe?“

„Wir verzeichnen eine vom Staat getriebene Preisspirale. Die Baupreise haben sich seit dem Jahre 2000 um circa 40 Prozent verteuert! Bund, Länder und Kommunen haben den Wohnungsneubau in den vergangenen Jahren durch Gesetze, Verordnungen, Auflagen und ständig steigende Grunderwerbssteuern enorm verteuert. Wenn in Deutschland „Allianzen für bezahlbares Wohnen“ geschmiedet werden, so ist akzentuiert darauf hinzuweisen, dass die Politik der größte Kostentreiber bei den Baukosten ist. Die gleichen Politiker, die die Baukosten verteuern, beklagen dann, dass zu wenige Mietwohnungen gebaut werden und fordern billigen Wohnraum für einkommensschwache Schichten.“

 

„Führt die Förderung des sozialen Wohnungsbaus nicht zu einer Entspannung der Situation?“

„Nicht nennenswert. Fast 80 Prozent des Wohnraums werden in Deutschland von privaten Vermietern bereitgestellt. Die notwendigen Investitionen in den Wohnungsbau sind riesig und vom Staat nicht zu leisten. Ziel muss es sein, das Geflecht der Baunormen und das weitere Umfeld so zu gestalten, dass Wohnraum zu einem erträglichen Mietniveau geschaffen werden kann. Davon sind wir allerdings weit entfernt. Wer derzeit neuen Wohnraum schafft, muss auch in Koblenz zur Refinanzierung Mieten im Bereich von 10 Euro pro Quadratmeter kalkulieren.“

 

„Inwieweit wirkt sich unser Mietrecht auf die Investitionstätigkeit aus?“

„Der Neubau wird derzeit vom extrem niedrigen Zinsniveau und der Tatsache getragen, dass Anleger auf den Kapitalmärkten kaum noch Rendite erzielen. Verschärfungen des Mietrechts schrecken Investoren im Wohnungsbau ab. Der Staat sollte jedoch in dem derzeit günstigen Umfeld alles unterlassen, was Investitionen in den Wohnungsbau behindert.“

 

„Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür, dass die Mietpreisbremse bislang weitgehend ins Leere gelaufen ist?“

„Die Mietpreisbremse konnte bereits deswegen nicht funktionieren, da in vielen Städten, in denen sie eingeführt wurde, kein qualifizierter Mietspiegel zur Definition der ortsüblichen Miete existiert. Ferner bestätigt sich, dass 95 Prozent der Mietverhältnisse reibungslos funktionieren und Mieter bereit sind, für gut ausgestattete und in ansprechender Lage gelegene Wohnungen Mieten zu zahlen, die teilweise mehr als 10 Prozent über dem ohnehin generalisierenden Mietspiegelwert liegen. Letztlich ist es so – dies lehrt die Erfahrung -, dass der Konflikt zwischen Vermieter und Mieter über die Höhe des Mietzinses die für jedes Wohnraummietverhältnis notwendige Vertrauensgrundlage zerstört und den Streit fördert. Das will kein Mieter und noch viel weniger der Vermieter.“

 

„Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von Koblenz?“

„Koblenz ist eine der schönsten Städte in Deutschland und besitzt für die im Umland Lebenden eine hohe Anziehungskraft. Allerdings fehlt in Koblenz im Vergleich zu den sog. Schwarmstädten Mainz und Trier der überregionale Zuzug. Wir wollen die Defizite zu Tage zu fördern, die dazu führen, dass Koblenz keinen „Schwarmstadtstatus“ besitzt und haben zusammen mit der IHK Koblenz eine entsprechende Studie bei der Empirica AG in Auftrag gegeben. Von den Ergebnissen dieser Studie, die im Frühjahr 2017 vorliegen wird, erwarten wir wertvolle Handlungshinweise für die Politik. Im heutigen Standortwettbewerb und dem Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte ist es dringend geboten, die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Koblenz zu verbessern.“

 

 

 

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