100 Jahre Haus & Grund Koblenz

Ortsverein ist wichtiger denn je als Partner der privaten Eigentümer

Haus & Grund Koblenz feierte 100-jähriges Bestehen - und erfolgreich wie eh und je. Dass der Ortsverein mittlerweile fast 4.000 Mitglieder zählt, hat gute Gründe: „Das Gestrüpp an Vorschriften rund ums Vermieten wird für Laien immer undurchdringlicher“, sagte der Vorsitzende Christoph Schöll bei der Jubiläumsfeier. Ohne fachliche Beratung sei kaum noch ein Eigentümer in der Lage, seine Immobilie zu verwalten – „und da sind wir der richtige Partner“.

Von Dr. Ilse Preiss

Festakt zum 100-jährgien Bestehen von Haus & Grund Koblenz

Freude über das 100-jährige Bestehen von Haus & Grund Koblenz (von links): Christoph Schöll, Vorsitzender des Ortsvereins, beim Festakt im Kurfürstlichen Schloss mit Manfred Leyendecker (Vorsitzender Haus & Grund Rheinland-Pfalz), Festredner Staatsminister a.D. Herbert Mertin, OB Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Franz Obst (Vorsitzender Deutscher Mieterbund Landesverband Rheinland-Pfalz) und Dr. Rolf Kornemann (Präsident Haus & Grund Deutschland).

Rund 55.300 Wohnungen gibt es in Koblenz; knapp ein Drittel davon befindet sich im Eigentum von Haus & Grund Mitgliedern. Dass der Ortsverein mittlerweile fast 4.000 Mitglieder zählt, hat gute Gründe: „Das Gestrüpp an Vorschriften rund ums Vermieten wird für Laien immer undurchdringlicher“, sagte der Vorsitzende Christoph Schöll bei der Jubiläumsfeier. Ohne fachliche Beratung sei kaum noch ein Eigentümer in der Lage, seine Immobilie zu verwalten – „und da sind wir der richtige Partner“.

 

Schleichende Enteignung privater Eigentümer?
Vor allem in der jüngeren Zeit seien viele Gesetze erlassen worden, „die in ihrer Gesamtheit die Frage auftauchen lassen, ob da nicht eine schleichende Enteignung stattfindet“, erklärte der Vorsitzende von Haus & Grund Rheinland-Pfalz, Manfred Leyendecker. Die privaten Eigentümer seien sich ihrer Pflichten gegenüber der Gesellschaft durchaus bewusst. „Aber wir haben auch den Anspruch, nicht über alle Maßen geschröpft und zur Melkkuh zu werden.“ Der Begriff „zweite Miete“ für Nebenkosten „suggeriert, dass der Vermieter zwei Mal kassiert“, während es tatsächlich nur um die rechtmäßige Weitergabe von Kosten gehe.


Der Präsident von Haus & Grund Deutschland, Dr. Rolf Kornemann kritisierte insbesondere die wohl bevorstehende Mietpreisbremse: „Sie wird dazu führen, dass niemand mehr baut und niemand mehr in die Sanierung von Wohnungen investiert. Und darunter werden genau die Familien leiden, die sich hohe Mieten nicht leisten können.“ Leider seien im Wahlkampf „die wirklich großen Themen“ ausgeblendet worden. Energetische Sanierung, demografische Entwicklung und Europa bedeuten für private Immobilieneigentümer: „Die Zeiten werden nicht leichter für uns.“

Oberbürgermeister kündigt einen Wohnbauplan an
Auch der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbands des Deutschen Mieterbundes, Franz Obst, hielt nicht viel von der Mietpreisbremse. Besser wären steuerliche Anreize und Möglichkeiten der Refinanzierung für Vermieter, die in Immobilien investieren. Obst hoffte auf die Fortsetzung der konstruktiven Zusammenarbeit mit Haus & Grund vor allem bei Energiefragen, denn „Preistreiber Nummer eins für Mieter sind die Energiekosten“.
Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig wies darauf hin, dass Koblenz Grund- und Gewerbesteuer „maßvoll“ erhöht habe: „Wir wollen nicht, dass Eigentümer über Verkauf oder Wegzug nachdenken. Aber wir brauchen zur Haushaltssanierung auch eine Einnahme-Verbesserung.“ Der OB kündigte „noch in 2013“ einen Wohnbauplan für Koblenz an.

Den Festvortrag zum 100. „Geburtstag“ hielt Staatsminister a.D. Herbert Mertin. Er ließ launig Revue passieren, welche Veränderungen der juristische Begriff „Eigentum“ seit dem Alten Testament bis heute erfahren hat. Bis in die 1950er Jahre fort wirkte beispielsweise das Eigentumsverständnis der Römer: Verfügungsbefugt über den Besitz einer Familie war damals allein der Vater – was die Vorstellung prägte, der Mann im Haus habe das Sagen. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Idee des Menschenrechts auf Eigentum; erst die Weimarer Verfassung schrieb das Grundrecht auf Eigentum fest. Unser Grundgesetz definiere Eigentum zwar nicht rechtlich, doch die Juristen seien sich einig, dass hier eine Institutsgarantie gelte. Aber: „Das Grundgesetz garantiert nicht, dass ein erhoffter Gewinn aus dem Eigentum zu erzielen ist. Und es garantiert auch nicht, dass Eigentum mit Glück verbunden ist.“

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