Jahreshauptversammlung 2012

Trotz steigender Mieten entstehen in Koblenz kaum neue Mietwohnungen

Der Mietwohnungsneubau rund ums Deutsche Eck liegt auf dem niedrigsten Stand seit dem 2. Weltkrieg – und das trotz steigender Mieten, berichtet Christoph Schöll, Vorsitzender des Haus & Grund Orstvereins. Dagegen zieht die Nachfrage in den Bereichen Verkauf und Vermietung weiter an. Ebenfalls erfreulich: Der Verein konnte mehr Mitglieder gewinnen.

Christoph Schöll

Fand durchaus deutliche
Worte: der Vorsitzende von
Haus & Grund Koblenz,
RA Christoph Schöll.

Obwohl die Mietpreise im Jahre 2011 angezogen haben, fließt in Koblenz kein nennenswertes Kapital in den privaten Mietwohnungsbau. Dieses ernüchternde Fazit zog Christoph Schöll, Vorsitzender von Haus & Grund Koblenz, auf der Jahreshauptversammlung des Vereins. Nach einer Phase stagnierender Mietpreise hat sich die Durchschnittsmiete in Koblenz von 5,85 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2010 auf 6,08 Euro/m2 im Jahr 2011 erhöht, berichtete Schöll. Ursache dafür sei die stabile Bevölkerungsentwicklung. Diese sei zum einen davon geprägt, dass viele Bürger, die in den 70er und 80er Jahren als junge Familien ins Umland gezogen seien, im Alter nach Koblenz zurücksiedelten. Zum anderen blieben – im Gegensatz zu früheren Zeiten – junge Familien in der Stadt, um die hohen Mobilitätskosten bei einer Ansiedlung im Umland zu vermeiden.

Die angespannte Situation auf dem Mietwohnungsmarkt in Koblenz erläuterte der Vereinsvorsitzende an der Anzahl der von der Statistikstelle der Stadt Koblenz in der Rhein-Zeitung und den Internetplattformen registrierten Mietanzeigen. Die Zahl der wöchentlich inserierten Mietwohnungen habe sich in den letzten vier Jahren halbiert. Im Jahr 2011 wurden gar 30 Prozent weniger Inserate als im Vorjahr registriert.

Koblenz hat im Vergleich zu anderen Städten ein moderates Mietzinsniveau
Schöll ging auch auf die Mietenwicklung im Koblenzer Umland ein. Die dort im Jahr 2011 erzielte Durchschnittsmiete belief sich auf 5,12 Euro. Je nach Größenkategorie einer Wohnung werde in Koblenz zwischen 10 und 23 Prozent mehr verlangt als im nahen Umland. Die verstärkte Zuwanderung aus dem Umland nach Koblenz schlage sich somit auch in der Steigerung des Mietpreisgefälles zwischen dem Oberzentrum Koblenz und dem Umland nieder.

Dass in Koblenz ein moderates Mietzinsniveau herrscht, erläuterte der Rechtsanwalt anhand eines Vergleichs mit den Städten Trier, Mainz, Wiesbaden und Bonn. Für eine Wohnung „Baujahr ab 2000“ in der Größenkategorie 60 bis 80 m2 werden in Koblenz 7,18 Euro/m2 verlangt, während in Mainz 9,67 Euro, in Wiesbaden 9,98 Euro, in Bonn 9,17 Euro und in Trier 8,90 Euro gefordert würden.

Private Investitionen in Mietwohnungsbau werden sich weiter in Grenzen halten
Die prosperierende wirtschaftliche Entwicklung in der Region Trier/Luxemburg mit einem deutlich höheren Mietzinsniveau ist für den Vorsitzenden Beleg für den Zusammenhang zwischen Mietniveau und Wohnbautätigkeit. Während das Jahr 2011 für Koblenz mit nur 54 erstellten neuen Wohngebäuden, davon 47 Gebäude mit nur zwei Einheiten, einen Tiefpunkt nach dem Zweiten Weltkrieg darstelle, verzeichne die Region Trier eine rege Bautätigkeit.
Für die Errichtung einer vermieteten Immobilie müsse ein Investor in Koblenz zur Kostendeckung ca. 12 Euro Miete pro m2 kalkulieren. Der miet- und steuerrechtliche Rahmen sowie die in Koblenz zu erzielende Marktmiete werden nach Einschätzung des Experten auch in den kommenden Jahren dazu führen, dass sich private Investitionen in den Mietwohnungsbau in Grenzen halten werden.

Erfreuliche Tendenzen konnte Schöll beim Verkauf von Immobilien verkünden. Vor dem Hintergrund der Eurokrise zeigen die Preise für Hausgrundstücke und Eigentumswohnungen auch in Koblenz nach oben, wobei jedoch nicht – wie in anderen Großstädten – von einer Überhitzung des Marktes gesprochen werden könne. Gute Zukunftsperspektiven würden in Fachkreisen dem Stadtteil Metternich bescheinigt. Hier führe die Ansiedlung der Universität zu einer erhöhten Nachfrage sowohl bei Vermietung und Kauf.

Wenig Anklang findet seiner Meinung nach weiterhin die von Haus & Grund Koblenz in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz eingerichtete Gebäudeenergieberatung. „Der Politik ist es aufgrund absurder Streitigkeiten über zweistellige Millionenbeträge zwischen Bund und Ländern über zwei Jahre nicht gelungen, einen steuerlichen Rahmen zur Schaffung von Anreizen für gebäudeenergetischen Sanierungen zu schaffen“, kritisierte Schöll. Ohne effiziente steuerliche Förderung seien jedoch die ehrgeizigen Klimaziele der Politik nicht zu erreichen. Die für die steuerliche Förderung aufzuwendenden Mittel würden zudem um ein Vielfaches wettgemacht durch die investitionsbedingten Mehreinnahmen aus Umsatz- und Unternehmenssteuern.

2013 feiert der Verein 100-jähriges Jubiläum
Als Gastredner begrüßte die Versammlung den Leiter der Statistikstelle der Stadt Koblenz, Dr. Manfred Pauly. Dessen Vortrag zur Entwicklung der Altersarmut in Koblenz verfolgten die Mitglieder von Haus & Grund mit großer Aufmerksamkeit und sorgenvollen Mienen. Dr. Pauly sieht den Koblenzer Wohnungsmarkt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Notwendigkeit zur Schaffung altersgerechten Wohnraums vor großen Herausforderungen.

Zum Abschluss der Veranstaltung verwies Christoph Schöll auf das im Jahr 2013 anstehende 100-jährige Jubiläum, das Haus & Grund Koblenz insbesondere im Gedenken an den im Jahr 2007 verstorbenen langjährigen Vorsitzenden Dr. Reinhard Hagmann feiern wird. Vielleicht hat der Verein ja auch bis dahin die 4.000er-Marke bei der Mitgliederzahl geknackt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr ist die zumindest auf 3.840 angewachsen.

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