Preise für Eigenheime in Koblenz „galoppieren“ aktuell davon

Mitgliederversammlung 2019: Haus & Grund Koblenz bleibt mit nunmehr fast 4.700 Mitgliedern weiter auf Wachstumskurs – und die Nummer 1 im Landesverband Rheinland-Pfalz. Sorge bereiten dem Vorsitzenden Christoph Schöll allerdings die derzeit „galoppierenden Preise“ für Eigenheime auf dem Koblenzer Immobilienmarkt.

Hochrangiger Gastredner: Herbert Mertin, Staatsminister der Justiz in Rheinland-Pfalz (Foto links, am Pult), erläuterte dem Vorsitzenden Christoph Schöll und den Mitgliedern von Haus & Grund Koblenz den langwierigen Prozess zur Grundsteuerreform.Hochrangiger Gastredner: Herbert Mertin, Staatsminister der Justiz in Rheinland-Pfalz (Foto links, am Pult), erläuterte dem Vorsitzenden Christoph Schöll und den Mitgliedern von Haus & Grund Koblenz den langwierigen Prozess zur Grundsteuerreform.). - Foto: Haus & Grund Koblenz

Überaus gut besucht war die diesjährige Mitgliederversammlung von Haus & Grund Koblenz. Mit aktuell 4.671 Mitgliedern weist die Eigentümerschutz-Gemeinschaft eine neue Rekordzahl auf und ist damit die Nummer eins im Landesverband Rheinland-Pfalz.

Wie der Vorsitzende, Rechtsanwalt Christoph Schöll, berichtete, seien erste Anzeichen für einen Stopp der Mietensteigerung in Koblenz erkennbar. Erstmals nach einem Zuwachs von rund 7.000 Einwohnern seit 2010 habe sich die Einwohnerzahl aktuell leicht verringert.

Zudem sei die Anzahl der Mietinsertionen erstmals seit Jahren wieder angestiegen. Gleichwohl, so Vorstandsmitglied Lothar Breitenbach, sei zu beobachten, dass sich die derzeitigen Angebotsmieten erheblich über den Werten des Koblenzer Mietspiegels bewegen.

Der Koblenzer Immobilienmarkt sei, so Schöll, derzeit von „galoppierenden Preisen“ für Eigenheime geprägt, während es bei den Eigentumswohnungen aufgrund des Angebots zu einem Preisstillstand gekommen sei. Schöll forderte die Stadt Koblenz auf, dem Preisanstieg durch Ausweisung von Bauland für Einfamilienhäuser zu begegnen. Hier geschehe seit Jahren zu wenig.

Bei den Baugenehmigungen liege Koblenz, so der Rechtsanwalt, weit hinter den Oberzentren Mainz, Trier und Ludwigshafen. Dies sei seit zwei Jahrzehnten zu beobachten und ein Grund dafür, dass Preise und Mieten in Koblenz überdurchschnittlich gestiegen seien.

Haus & Grund zeigt klare Kante bei der Grundsteuer

Die Reform der Grundsteuer nach dem so genannten „Scholz-Modell“ werde, so Schöll, bei unveränderten Hebesätzen in Koblenz in vielen Fällen zu einer Verdoppelung der Grundsteuer führen.

„Verlierer dieser Reform werden besonders Eigentümer von Einfamilienhäusern sein“, so der Haus & Grund Vorsitzende. Der Stadtrat sei gefordert, den Hebesatz zu senken, um finanziellen Mehrbelastungen von Eigentümern und Mietern entgegenzuwirken, zumal es infolge des Klimaschutzpakets zu erheblich steigenden Heizkosten kommen werde.

Haus & Grund befürwortet bei der Grundsteuerreform das in Bayern angestrebte Flächenmodell. Dieses vermeide, so Schöll, nicht nur Mehrbelastungen für die Bürger, sondern auch den bürokratischen Wahnsinn bei der Feststellung der Werte im siebenjährigen Turnus.

Zudem seien beim „Scholz-Modell“ Rechtsstreitigkeiten zur Bewertungshöhe, besonders bei Gewerbegrundstücken vorprogrammiert. Schöll bezweifelte, dass die in Rheinland-Pfalz geplanten 175 neuen Stellen ausreichten, um den Aufwand bei der Bewertung von landesweit rund 2,4 Millionen Eigentumseinheiten zu bewältigen.

Auch werde es bei einem angespannten Arbeitsmarkt für die Finanzverwaltung schwierig, für diese anspruchsvolle Tätigkeit geeignetes Personal zu rekrutieren.

ln puncto Ausbaubeiträge, so der Koblenzer Rechtsanwalt, zeichne sich bislang bei der Landes-SPD keine Wende ab. Diese beharre auf den sozial ungerechten Ausbaubeiträgen, die oftmals Rentner und junge Familien träfen, während Brandenburg unter dem SPD-Ministerpräsidenten Woidtke seit Jahresanfang 2019 auf die Ausbaubeiträge verzichtet habe. Bundesweit, kritisierte Schöll, gebe die SPD bei der Frage der Ausbaubeiträge ein diffuses Bild ab, das den Bürger verunsichere.

Gastredner Herbert Mertin, Staatsminister der Justiz in Rheinland-Pfalz, erläuterte den langwierigen Prozess zur Grundsteuerreform und die dabei notwendigen Kompromisse. Er verwies auf den einstimmigen Parteitagsbeschluss der FDP zur Abschaffung der Ausbaubeiträge.

Diese Forderung könne jedoch aufgrund der geltenden Koalitionsvereinbarung nicht durchgesetzt werden, da sich SPD und Grüne kategorisch weigerten, die Ausbaubeiträge abzuschaffen. Wahrscheinlich erst nach der Landtagswahl im Frühjahr 2021, so Mertin, werde man sehen, wie es mit diesem Thema weitergehe.

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